Wenn die Entscheidung längst gefallen ist

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Nicht im Zentrum – und doch da.
Bild: @vanje

Ein Freund hatte von einem Freund ein Splinterlands-Konto übernommen. Er selbst konnte damit wenig anfangen, und so landete es schließlich bei mir. Das war 2020 – und im Grunde mein Einstieg in Hive. Ich wusste damals nicht viel, aber es war eine spannende Beschäftigung. Ich war aktiv, spielte regelmäßig und hatte Freude daran, obwohl ich kein klassischer Gamer bin. Mich reizte vor allem das Verstehen.

Mit der Zeit wurde das Spiel jedoch komplexer. Umfangreicher. Unübersichtlicher. Ich merkte, wie stark es mich kognitiv band – und wie ich manches plötzlich nicht mehr nachvollziehen konnte. Das irritierte mich. Schließlich entschied ich mich für einen klaren Schnitt: Ich verkaufte die komplette Alpha-Sammlung, bis auf eine einzige Karte – einen goldenen Drachen. Dank der sorgfältigen Aufzeichnungen wusste ich genau, was ursprünglich investiert worden war. Der Gewinn war erheblich. Manche Karten waren innerhalb von Sekunden verkauft.

Und doch stellte sich ein leises Gefühl ein, etwas zu versäumen. Vom Erlös baute ich mir ein neues Setup auf: Chaos-Legion-Karten, Riftwatchers, Soulkeep , drei Landplots, eine Node-Lizenz und einen gestärkten SPS-Stake. Nach einer Weile holten mich meine ersten Erfahrungen wieder ein. Schritt für Schritt zog ich mich zurück – zunächst zögerlich, weil ich Reward-Karten noch maximieren wollte. Nach weiteren Spieländerungen und dem Ende der Rewardsaison traf ich eine klare Entscheidung: kein aktives Spielen mehr. Auch das Land gab ich später auf, als erneut strukturelle Anpassungen kamen.

Heute nutze ich nur noch die Node-Lizenz und vermiete Karten.

Äußerlich war damit alles geklärt. Ich spielte nicht mehr aktiv. Ich hatte meine Struktur gefunden. Die Erträge liefen. Die Rolle war reduziert. Und über #Peakmonsters relativ leicht zu verwalten.

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Screenshot: Peakmonsters - Node Verwaltung

Und doch arbeitete etwas weiter.

Es war kein Zweifel am Projekt. Auch kein Ärger. Eher ein leises, wiederkehrendes Gefühl:

  • Sollte ich nicht doch mehr beitragen?
  • Sollte ich mich wieder tiefer einarbeiten?
  • Verantworte ich meine Position ausreichend?

Diese Fragen waren nicht laut. Sie tauchten beiläufig auf – und verschwanden wieder.

Gestern besuchte ich mein Splinterlands-Konto, weil es ein Problem mit meiner Validator-Node-Lizenz gegeben hatte. Ich wollte nur kurz prüfen, ob wieder alles läuft. Es war eine rein technische Handlung. Nichts Emotionales.

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Screenshot: Splinterlands - Rewards Übersicht - alles läuft wieder

Doch auf der Startseite sah ich drei aktive Proposals. Und plötzlich arbeitete es in mir. Nicht wegen ihres Inhalts – ich hatte sie noch gar nicht gelesen. Sondern wegen der Tatsache, dass sie da waren. Governance. Abstimmung. Verantwortung.

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Screenshot: Splinterlands - Übersicht aktiver Proposals

Ich halte Stake. Und gleichzeitig bin ich längst kein aktiver Spieler mehr. Und jetzt die Einladung zu Lesen, zu Verstehen und dann Abzustimmen.

In diesem Moment merkte ich, dass ich mir selbst gegenüber noch in einer alten Rolle dachte. Als aktiver Teil des Spiels. Als jemand, der mitgestaltet. Der versteht. Der reagiert. Aber das war ich nicht mehr. Ich hatte mich längst anders positioniert: als Beobachter. Als jemand, der ein Setup aufgebaut hat und es laufen lässt. Nicht aus Desinteresse – sondern aus bewusster Reduktion.

Der innere Druck entstand nicht, weil ich falsch handelte. Er entstand, weil mich die Frage beschäftigte, ob meine Haltung noch zu meiner Beteiligung passt. Und ich bemerkte, dass ich von mir etwas erwartete, das nicht mehr zu meiner Haltung passte. Genau dort lag die Unruhe.

Zufriedenheit entsteht nicht immer durch mehr Engagement. Manchmal entsteht sie durch die ehrliche Einordnung dessen, was man nicht mehr sein will.

Vielleicht kennen andere solche Momente auch. Nicht nur im Spiel. In Projekten. In Rollen. In Beziehungen. Man bleibt verbunden – aber innerlich hat sich etwas verschoben. Und vielleicht braucht es Mut, sich selbst zuzugestehen, dass eine neue Haltung bereits da ist.

Ich musste nichts ändern. Ich musste es nur anerkennen.



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